Gedicht des Monats -Oktober 2015

Wir müssen nicht gehen,
nur sehen,
wie alles entgegentreibt und vorbei,
wie es wo anders bleibt,
nicht erlegt, nicht gefangen, frei.
Wir meinen, Schritte zu tun
und werden getragen
über Ufer und Wellen,
die sich uns stellen
als immerwährende Fragen
„Und nun? Und nun? Und nun?“
Ach, wie wir uns verdrehen
nach einem einzigen Kuss.
Wir können es nicht verstehen:
Wir müssen nicht gehen.
Wir sind doch Fluss.

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Foto: Martin Ecker

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Gedicht des Monats -September 2015

Schlag du mich auf,
ich bin das Buch, das sich nicht kennt
und selbst nicht lesen kann.
Nimm mich beim Wort wie eine Tür am Knauf
und mach mich auf!
Dann …
irgendwann
kommst du zur Seite, die uns trennt,
die in mir ist – ich hab sie nicht geschrieben;
hörst du dann auf zu lesen und zu lieben?

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Foto: Martin Ecker

Gedicht des Monats -August 2015

Leg deinen Schatten über mich
wie eine kleine Nacht,
nach deinem Dunkel greife ich,
da mir zu heiß und sommerlich,
zu glatt der Himmel lacht.

Ich raste oft in fremder Schuld
und träum sie mir zu eigen,
im Schlaf schenkt sich mir die Geduld,
wird Schicksalsgarn zurückgespult,
und blaue Sterne steigen
aus unverstandnem Schweigen.

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Foto: Martin Ecker

Gedicht des Monats -März 2015

Vertonte Sehnsucht – immer wieder
entsteigt dem Herzen eins der Lieder,
die Wald und Sterne mit ihm singen
und den, der’s hört, zum Gehen bringen.

Du Wunderwelt, du Wanderweg, ich bin für euch bereit,
da ist kein Mensch mehr, der mich hält,
so, wie mir Fluss und Berg gefällt,
macht die Musik mich landschaftsweit.

 

Regenbogen001

Foto: Martin Ecker

Gedicht des Monats -Dezember 2014

Ein goldnes Tier,
der Mond aus Stroh,
die Sonne eine Seele,
ein Baum und Licht im Irgendwo,
nun Kinderherz, erzähle!

Ein Märchen wohnt im Haus,
nimm das Geschenk heraus,
die Nacht ist kurz, das Wunder hell,
so viel Geläute und Geschellt;
bleib leis und lock da Zauberreh
zur Krippe; ganz in deine Näh.

 12-2014

Foto: Welf Ortbauer

Gedicht des Monats -November 2014

Gedicht des Monats -November 2014

Bedeckte Tage, Stundentücher,
wie wird das Licht verhüllt,
Geschrei und Glanz um leere Bücher,
Alles mit Nichts gefüllt.

Reift eine Rose weit über die Zeit,
tief in ein Winterkleid geschneit
trägt Blüte sie im kalten Verließ,
ein unentdecktes goldenes Vließ,
um das wir wissen, denn auch wir tragen
ein uns eigenes Blühen in dunklen Tagen,
strahlende Farben auf Innenseiten,
die zerwärmend eisige Engen weiten.

Rose-Eis

Foto: Welf Ortbauer